Verkehrsstaus sorgen für Umweltschäden und enorme wirtschaftliche Verluste. Zwischen 2014 und 2030 sollen diese auf eine Höhe von 180 Milliarden Dollar (159 Milliarden Euro) anwachsen. Es ist Zeit zu handeln.

LKWs, Autos und Fahrräder auf ein und derselben Straße? Das scheint, wenn man sich die steigenden Zahlen genau betrachtet, auf lange Sicht ein Ding der Unmöglichkeit. Überlastete Straßen, Stoppschilder, Umleitungen und eine Vielzahl an Variablen lassen uns die Verkehrsprobleme der Zukunft mit Sorge betrachten. Die enormen Fahrzeugmengen in der Stadt verursachen nicht nur wirtschaftliche Schäden, sondern bedeuten auch für jeden Einzelnen enorme Zeitverluste.

Die jährliche Schätzung der durch Staus verursachten Kosten in den USA hat die 100-Milliarden-Dollar-Grenze überschritten und wird 2030 etwa 180 Milliarden Dollar (159 Millionen Euro) betragen. Wenn die Gesamtzahl der Fahrzeugzulassungen wie vorausgesehen ansteigt, haben wir die Chance verspielt, die globale Erwärmung aufzuhalten – selbst, wenn diese Autos elektrisch sind. Das World Resource Institute (WRI) schlägt eine Drei-Komponenten-Lösung vor, um die Probleme zu lösen. Die Schlagworte lauten Vermeiden, Verändern, Verbessern.

Laut der American Automobile Association verbringen Amerikaner jedes Jahr im Schnitt 17.600 Minuten im Auto. Mit anderen Worten sitzt jeder Autofahrer in den USA fast eine Stunde täglich im Pkw – auf der Fahrt zur Arbeit, zum Einkaufen oder in den Urlaub. Weltweit gibt es 1,2 Milliarden Autos. Man stelle sich den Raum vor, den diese parkenden oder fahrenden Autos einnehmen und den man für so viel anderes nutzen könnte! Das ist aber längst nicht das Hauptproblem. Abgase, Smog, Lärm und lebensgefährliche Unfälle machen klar, dass ein Umdenken unvermeidlich ist. Eine Schätzung besagt, dass 1,25 Menschen jedes Jahr bei Verkehrsunfällen zu Tode kommen, die durch menschliches Versagen verursacht werden.

Die Mobilität der Zukunft im Blick

Mit voranschreitender Urbanisierung wird auch die Mobilität um ein Vielfaches wachsen. Großstädte weltweit bieten bereits Alternativen, die effektiv, effizient und umweltfreundlich sind. Warum aber sind diese Veränderungen dennoch kaum zu bemerken? Aus der Vogelperspektive sieht das Problem erschreckend aus. Betrachtet man es näher, versteht man, dass es die Automobilindustrie als solche ist, die fast jeden Zweig der amerikanischen Wirtschaft beeinflusst.

Laut Erhebungen von Deloitte erwirtschaftet die Autoindustrie 735 Milliarden Dollar (650 Milliarden Euro) Umsatz. Transportdienstleistungen wie Autovermietungen bringen weitere 59 Milliarden Dollar (52 Milliarden Euro). Die gesamte Autoindustrie ist für zwei Billionen Dollar (1,77 Billionen Euro) Umsatz verantwortlich, das sind mehr als zehn Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts. Insgesamt 10,8 Millionen Menschen einschließlich Fahrerjobs arbeiten in der Branche. Und diese Zahlen beinhalten noch nicht die zusätzlichen Arbeitsplätze, die mit der Nutzung des Verkehrsnetzes verknüpft sind, z.B. die Bereiche Logistik und Lager, Straßenbauarbeiten, Fahrgemeinschaften und Lieferdienste. Diese Zahlen lassen leicht verstehen, warum die Zukunft der Mobilität jeden tangiert, der zur Arbeit pendelt, – und nahezu jeden anderen auch.

Eigenes Auto, Car-Sharing oder öffentliche Verkehrsmittel?

Selbst wenn man alle Autos durch autonome Fahrzeuge ersetzt, wird sich die Situation nicht über Nacht verändern. Nur eine Reduzierung der Pkw-Zahl in Kombination mit Car-Sharing-Konzepten können der Schlüssel sein. Allerdings darf sich Car-Sharing nicht auf Programme wie Uber oder Lyft beschränken. Um die Straßen zu entlasten, brauchen wir neue Dienste der Länder und Städte, die den Einwohnern die Nutzung von Massentransportmitteln erleichtern – beispielsweise autonome Shuttle-Busse mit eigenen Fahrspuren, deren Platzbedarf wäre sehr viel geringer, als die potentiellen 200 Privatfahrzeuge der Fahrgäste.

Wie sieht die Zukunft aus?

Auch wenn sie derzeit vor allem durch Überfüllung gekennzeichnet ist, bietet die Mobilität von morgen dank innovativer Ideen vielversprechende Perspektiven. Neue Verkehrs- und Transportkonzepte werden entwickelt, um das Problem auf einer breiteren Ebene zu lösen: vernetzte autonome Autos, Flugtaxis oder der Bau von Tunneln, um nur einige zu nennen.

Vernetzte autonome Fahrzeuge als Lösungsansatz

Wenn es überhaupt eine durchführbare Lösung für ein intelligentes Echtzeit-Verkehrssystem gibt, dann wahrscheinlich durch autonome Autos. Durch sie wird effizientes Verkehrsmanagement in Echtzeit möglich, was Staus drastisch senkt. Auch menschliches Versagen lässt sich damit reduzieren – machen doch  autonome Autos weniger Fehler als Menschen, fahren zudem nicht rücksichtslos oder aggressiv (und definitiv nie unter Alkoholeinfluss). Durch ihr verbessertes Geschwindigkeits- und Fahrmuster verursachen sie zudem weniger Emissionen.

Eine Zukunft mit vernetzten autonomen Fahrzeugen bietet außerdem ungeahnte Möglichkeiten für Senioren und körperlich eingeschränkte Personen. „Blinde und sehbehinderte Menschen könnten Vorteile daraus ziehen, die vorher undenkbar waren“, erläutert Sue Sharp von der Royal Society for Blind Children in Großbritannien. „Stellen Sie sich vor, wie befreiend es für einen 18-jährigen blinden Mann wäre, einfach zu einem Date mit seiner Freundin fahren zu können, ohne dass seine Mutter ihn dort hinbringen muss.“

Auch die Fahrzeit von und zur Arbeitsstelle könnte sich damit in Zukunft verkürzen. Die Boston Consulting Group schätzt, dass vernetzte Autos die Fahrzeit in städtischen Gebieten um bis zu 33 Prozent reduzieren könnten. Wenn all diese Menschen dann auch noch mit elektrischem Antriebssystem zur Arbeit fahren würden – dem  zweiten großen Mobilitätstrend der Zukunft –, ließen sich CO2-Emissionen reduzieren und so die Luftqualität in den Städten verbessern.

Aber das ist noch nicht alles. Mit intelligenten audio-unterstützten Geräten und überall verfügbaren mobilen Internet werden vernetzte Autos zum Touchpoint für die Post-Web-Ära. Selbst auf dem Weg ins Büro können Fahrer per Sprachbefehl mit Marken und Geschäften kommunizieren – und mit sofortigen Ergebnissen rechnen. Warum bis zur Ankunft warten, wenn man sein (Shopping-) Ziel schon unterwegs erreichen kann?